11.12.2025
In Notsituationen entscheidet oft nicht das Wissen, sondern der Mut. Doch Mut ist schwer, wenn Angst laut wird – viel lauter als jede innere Stärke.
Aber stell dir vor, deine Angst hätte eine Stimme. Eine kleine, nervöse, zweifelnde Stimme. Und du könntest lernen, sie zu überlisten.
Dieses Gedankenexperiment zeigt, wie du im Notfall handlungsfähig bleibst – selbst wenn die Angst versucht, dich zu blockieren.
Wenn wir ehrlich sind, hört sich die Angst oft so an:
Diese Gedanken sind normal. Jeder Ersthelfer – auch Profis – kennt sie.
Doch Angst ist nicht die Wahrheit. Sie ist nur ein Schutzmechanismus, der manchmal übertreibt.
Du: „Schlimmer ist nur, gar nichts zu tun.“
Jede Kompression, jeder Notruf hilft – Perfektion ist nie das Ziel.
Du: „Ich muss keiner sein – ich überbrücke nur Zeit.“
Profis brauchen Minuten. Ersthelfer überbrücken diese Minuten – und retten Leben.
Du: „Vielleicht. Aber ich kann jetzt handeln.“
Je mehr Zeugen, desto grösser die Lähmung – ein aktiver Schritt verändert alles.
Du: „Sie werden sehen, dass ich helfe.“
Handeln ist nie peinlich – es ist mutig.
Du: „Nervös sein ist normal. Ich beginne trotzdem.“
Zittern, Stress, Adrenalin – alles gehört dazu. Mut heisst: trotz Angst handeln.
Wenn Angst eine Stimme bekommt, passiert etwas Entscheidendes:
Diese Umdeutung hilft vielen Ersthelfern, den berüchtigten Freeze zu überwinden.
„Okay, Angst, ich höre dich – aber ich entscheide.“
Benennen senkt den Stresspegel nachweislich.
Ein Schritt nach vorne.
Ein bewusster Atemzug.
Eine kleine Handbewegung.
Diese Mikroaktionen „brechen“ den Freeze.
„Ich prüfe jetzt.“
„Ich rufe 144.“
„Ich beginne zu drücken.“
Innere Befehle übertönen die Angst.
Sobald du jemanden direkt ansprichst, kommst du automatisch ins Handeln.
Beispiel:
„Sie dort – bitte rufen Sie 144!“
Angst verschwindet nicht.
Doch du kannst lernen, über sie hinweg zu handeln.
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet: trotz Angst handeln.
Wenn deine Angst eine Stimme hätte, würde sie dich warnen, schützen – und manchmal bremsen.
Doch du kannst ihr freundlich antworten:
„Danke, Angst. Aber ich mache das jetzt trotzdem.“
Denn in der Ersten Hilfe zählt nicht Perfektion – sondern der Mut zum ersten Schritt.