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„Die Ausbildung wird individueller und praxisnäher“ – Interview mit Nothelfinstruktorin Juliana über die Zukunft der Ersten Hilfe

07.04.2026

Zukunft der Erste-Hilfe-Ausbildung: Interview mit Instruktorin zu Trends & Innovation

Wie sich Nothelferkurse verändern werden – und warum Praxis, Technologie und Selbstvertrauen immer wichtiger werden.

Interview mit Nothelfinstruktorin Juliana: Einblicke aus der Praxis

Wie sieht die Erste-Hilfe-Ausbildung in Zukunft aus? Wird alles digital? Oder bleibt der praktische Teil entscheidend?

Unsere Instruktorin ist seit Mai 2024 bei Nothelfer am Bahnhof tätig und unterrichtet durchschnittlich einen Nothelferkurs sowie einen Firmenkurs pro Monat in der Region Aargau, Dietikon und Basel.

Durch ihre regelmässige Arbeit mit unterschiedlichsten Teilnehmenden erlebt sie hautnah, wie sich Erwartungen, Lernverhalten und Methoden verändern.

Im Interview gibt sie spannende Einblicke in aktuelle Trends – und wie die Erste-Hilfe-Ausbildung in Zukunft aussehen könnte.


Wie stellst du dir die Erste-Hilfe-Ausbildung in zehn Jahren vor?

Ich glaube, die Ausbildung wird sich weiter in die Richtung entwickeln, in die sie sich jetzt schon entwickelt. Sie wird deutlich flexibler und individualisierter sein. Ein Teil des Wissens wird digital vorbereitet, während die Präsenzzeit für das praktische Training genutzt wird. Möglicherweise werden die Simulationen auch realistischer, ähm, zum Beispiel mit der Hilfe von VR oder, ähm, auch KI. Die Teilnehmenden können sich so stärker in die Szenarien hineinversetzen und das Handeln als Nothelfende üben.

Welche Trends beobachtest du aktuell in der Ausbildung?

Ich merke, dass ein Trend hin zu mehr Praxis herrscht. Es gibt kürzere Theorieblöcke mit interaktiverem Unterricht. Ähm, zudem wird das Lernen über digitale Plattformen immer wichtiger. So können die Teilnehmenden die Theorie auch in ihrem Tempo erlernen und so das Wissen besser erlernen.

Welche Rolle spielen digitale Tools oder E-Learning in deinen Kursen?

Das E-Learning finde ich ein super Tool zur Vorbereitung. Damit kann den Teilnehmenden das Grundlagenwissen effizient vermittelt werden, sodass wir im Kurs mehr Zeit für die praktischen Übungen haben. Mit den 3D-Animationen, welche wir nutzen, haben die Nothelfenden auch die Möglichkeit, die menschlichen Organe realitätsnah zu sehen. Zusätzlich, ähm, gestaltet die, gestalten die digitalen Quiz zwischendurch den Unterricht abwechslungsreich und helfen den Teilnehmenden, das Wichtigste der Theorie nochmals zu repetieren. Ich finde es aber wichtig, dass die digitalen Tools, ähm, den Präfenz..., äh, Präsenzunterricht nicht ersetzen, sondern einfach sinnvoll ergänzen.

Wie kann Technologie das Lernen von Erste Hilfe verbessern?

Die Technologie kann, wie ich vorhin schon erwähnt habe, das Wissen auf eine unterschiedliche Weise übermitteln, was hilfreich sein kann. Auch kann sie beim Üben der Reanimation, zum Beispiel mit den Puppen, das Feedback sofort und ob-objektiv, ähm, geben, indem es den Teilnehmenden anzeigt, ob sie die Thoraxkompressionen tief und oft genug durchführen.

Was sollte sich deiner Meinung nach in der Ausbildung unbedingt verändern?

Meiner Meinung nach ist es wichtig, den Teilnehmenden nicht nur das Wissen mitzugeben, sondern ihnen auch zu helfen, die Angst, etwas Falsches zu tun, zu überwinden. Also sie sollten mehr Vertrauen in ihr eigenes Handeln entwickeln, denn Nichtstun ist der grösste Fehler und ich finde, vielleicht könnte man auf das Thema ein bisschen mehr Fokus legen.

Welche neuen Methoden würdest du gerne ausprobieren?

Ich fände es spannend, auch interaktive Quiz in den Unterricht einzubringen, damit die, die Teilnehmenden nicht nur mit dem eigenen Bildschirm beschäftigt sind, sondern vielleicht auch als Gruppe versuchen müssen, einige Fragen richtig zu beantworten. Auch hat mir eine Teilnehmende, äh, eine junge Teilnehmende letztens gesagt, dass sie es interessant fände, alltagsnahe Szenarien zu üben, wie beispielsweise das Verhalten bei einer allergischen Reaktion.

Wie kann man jüngere Generationen besser erreichen?

Innerhalb von den Kursen glaube ich durch Interaktivität und abwechslungsreichen Einheiten. Ich habe gemerkt, dass sie besonders daran interessiert sind zu verstehen, weshalb die Sachen, die wir lernen, ähm, wichtig zu wissen sind. Und ausserhalb der Kurse denke ich sicher auch mit kurzen Videos oder Posts auf Social Media, die informativ sind und die, die Wichtigkeit vom Thema Nothilfe aufbringen.

Welche Bedeutung haben realitätsnahe Szenarien im Training?

Wie auch viele von den Teilnehmenden finde auch ich die Rollenspiele den besten Teil, ähm, des Nothelferkurses, ähm, weil ich finde, erst durch das Nachspielen von Szenarien merkt man, an was man alles denken muss in einer Notsituation und auch, weshalb wir einige Sachen mehrmals wiederholt haben. Und ich finde, dadurch verfestigt sich das Wissen und die Teilnehmenden lernen unter Stress, auch wenn dieser nur gespielt erzeugt ist, Entscheidungen zu treffen, ähm, welche eben im Notfall entscheidend sein können.

Wie könnte man Kurse noch, noch praxisnäher gestalten?

Ich glaube, es braucht sicher viel Übungszeit. Ich finde, das E-Learning gibt, ähm, während dem Kurs schon viel mehr Zeit, um wirklich an der Praxis zu arbeiten. Vielleicht, ähm, auch durch ein wenig kleinere Gruppen und Szenarien, die möglichst nah am Alltag der Teilnehmenden sind. Ich finde es beispielsweise auch super, dass sie einen Defibrillator suchen gehen sollen, dass sie sich danach sicherlich auch im Alltag mehr achten werden, wo sich diese normalerweise befinden.

Was ist aus deiner Sicht die grössten Chancen für die Branche?

Ich glaube, die steigende gesellschaftliche Sensibilität für die Erste Hilfe. Immer mehr Menschen möchten vorbereitet sein, ähm, auf solche Notfälle und gleichzeitig bieten, äh, neue Technologien, die aufkommen, auch die Möglichkeit, die Ausbildung effektiver und auch nachhaltiger zu gestalten.

Wo siehst du die grösste Herausforderung in der Zukunft?

Ich glaube, ähm, eine gute Ba-Balance zu finden zwischen Digitalisierung und auch dem persönlichen oder praktischem Training, weil, ähm, der praktische Teil kann auch nicht durch einen kompetenten oder kompletten Onlinekurs ersetzt werden.
Ich glaube, dass dann die Teilnehmenden weniger gut ausgebildet sein würden.

Welche Innovation würdest du dir sofort wünschen, wenn alles möglich wäre?

Ich glaube, eine Simulationshalle mit einem System, das realistische Notfallsituationen nachstellen könnte und den teilnehmenden, teilnehmenden gleichzeitig individuelles Feedback liefert. Ähm, in dieser Umgebung könnte man beispielsweise Verkehrsunfälle mit echten Fahrzeugen, ähm, realitätsnah inszenieren, ähm, und die Teilnehmenden hätten vielleicht auch die Möglichkeit, ihre Einsätze per Videoaufzeichnung, ähm, im Nachhinein zu sehen und, ähm, ihre Reaktionen zu verstehen und zu sehen, wie sie es vielleicht anders hätten tun sollen.


Fazit: Die Zukunft ist digital – aber bleibt menschlich

Das Interview zeigt deutlich: Die Erste-Hilfe-Ausbildung steht vor spannenden Entwicklungen.

Digitale Tools, VR und interaktive Lernmethoden werden den Unterricht verändern und ergänzen. Gleichzeitig bleibt eines zentral:

👉 Der praktische Teil.
👉 Das echte Üben.
👉 Und das Vertrauen ins eigene Handeln.

Denn am Ende geht es nicht nur darum, Wissen zu haben – sondern im entscheidenden Moment auch wirklich zu handeln.