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Interview mit einer Nothelfinstruktorin: Persönliche Einblicke aus der Praxis

31.03.2026

Interview Nothelfinstruktorin: Erfahrungen, Soft Skills und persönliche Entwicklung

Notfälle zu unterrichten bedeutet weit mehr als nur Fachwissen zu vermitteln – es geht um Menschen, Kommunikation und den Umgang mit Unsicherheit. In diesem Interview gibt Christelle, Nothelfinstruktorin seit Mai 2025, persönliche Einblicke in ihre Entwicklung und Erfahrungen aus der Praxis. Sie unterrichtet hauptsächlich in Zug und Luzern und leitet im Schnitt 1–2 Kurse pro Monat – je nach Studienphase.


Wie hat mich die Tätigkeit als Instruktorin persönlich verändert?

Ein Punkt ist sicher die Geduld. Ich hab das Gefühl, geduldiger geworden zu sein, besonders im Umgang mit Unsicherheiten anderer.

Auch ist es das Verlassen der Komfortzone, indem man samstagmorgens in einen unbekannten Raum kommt mit einer Gruppe unbekannter Menschen und man weiss, man muss die nächsten Stunden mit ihnen verbringen.


Welche Soft Skills konnte ich durch meine Arbeit besonders stärken?

Einmal sicher die situative Kommunikation, also, ähm, dass man die Kommunikation immer den Teilnehmern und den entsprechenden Persönlichkeiten anpasst. Auch die Gruppenführung, welche mit jeder Gruppe komplett anders ist und natürlich auch die spontane Problemlösung beziehungsweise Improvisation, weil man doch viel Verantwortung trägt. Man steht alleine vor einer Gruppe von zehn Teilnehmer:innen und muss bei Problemen selber mit der Lösung aufkommen.


Wie gehe ich mit Stresssituationen während eines Kurses um?

Also grundsätzlich gehe ich die Sache sehr ruhig an. Das musste ich natürlich auch lernen. Ähm, ich kommuniziere jeweils offen mit den Teilnehmer:innen, was Sache ist, was ist passiert, ähm, wie werde ich das angehen. Und wenn diese wissen, was läuft, dann werden eigentlich auch solche ungeplanten Situationen oder Probleme nicht schlecht aufgefasst. Ich versuche jeweils, das Ganze locker mit Humor, ähm, und als Gruppe anzugehen und so holt man die Teilnehmer:innen auch gut ab.


Was habe ich durch meine Kurse über Menschen gelernt?

Ein wichtiger Punkt, den ich mitnehme, ist, dass Menschen extrem unterschiedlich lernen. Es gibt überhaupt nicht ein One fits all. Also ich muss eigentlich in jedem Kurs meine Methodik neu anpassen und darum sieht auch jeder meiner Kurse ein bisschen anders aus, wie ich die Sache angehe.

Ein anderer Punkt ist auch, dass ich gemerkt habe, wie die jungen Menschen sehr oft ihre eigene Verantwortung unterschätzen, vor allem in Notfallsituationen und wie viel sie eigentlich dazu beitragen könnten oder können.


Wie hat sich meine Kommunikation über die Zeit entwickelt?

Ich benutze definitiv weniger Fachsprache. Ich komme aus der Medizin, das heisst, die Tendenz, Fachjargon zu verwenden, ist sehr gross. Ähm, aber ich habe gelernt, dass man die Teilnehmer mehr mit verständlichen Bildern und Beispielen abholen kann.

Ausserdem stelle ich mehr Fragen, statt nur Inhalte zu erklären, sodass ich die Teilnehmer aktiv einbinde und ich merke, wie sie viel mehr aus dem Unterricht mitnehmen.

Ausserdem bin ich auch direkter geworden, ohne natürlich unfreundlich zu sein, ähm, und fordere einzelne Teilnehmer:innen bewusst auf, eine Frage zu beantworten, auch wenn sie sich nicht gestreckt haben, weil sie dann definitiv mehr aus dem Kurs mitnehmen.


Inwiefern hat mich das Unterrichten selbstbewusster gemacht?

Ich habe definitiv gelernt, meiner eigenen Kompetenz mehr zu vertrauen und dann auch Sicherheit auszustrahlen, auch wenn nicht alles perfekt ist und läuft. Und ich habe gemerkt, dass ich schwierige Situationen meist am Schluss sehr gut bewältigen konnte.


Wie gehe ich mit Unsicherheiten oder Fehlern bei mir selbst um?

Ich gehe eigentlich offen damit um, statt sie zu verstecken. Dann akzeptiert das die Gruppe auch ohne Weiteres und es wird meistens auch gut aufgenommen.

Ausserdem hebe ich mich auch lieber nicht zu fest von der Gruppe ab, sondern schaffe gerne eine Atmosphäre, wo wir eigentlich gemeinsam die Inhalte durchsprechen und diskutieren.


Was war für mich eine wichtige Lektion in meiner Instruktorinnenlaufbahn?

Fachwissen allein reicht nicht. Also die Beziehung zur Gruppe ist das Entscheidende und Authentizität ist viel wirkungsvoller als perfektes Auftreten sozusagen.


Wie schaffe ich es, in herausfordernden Situationen ruhig zu bleiben?

Also erst mal natürlich klare, ruhige Sprache zu nutzen. Und die Erfahrung zeigt auch, dass ich solche Situationen lösen konnte und am Schluss eigentlich immer alles gut gekommen ist, auch wenn Schwierigkeiten anfangs natürlich immer unlösbar und schlimm zu sein schienen.


Was motiviert mich, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln?

Es ist definitiv der Gedanke, dass ich im Ernstfall wirklich einen Unterschied machen könnte mit diesen Kursen, die ich gebe, und dass ich diese vielen jungen Menschen mit Wissen nach Hause schicke, wie man im Alltag Leben retten könnte.


Welche Rolle spielt Empathie in meinem Unterricht?

Ich denke, Empathie anzuwenden, macht die Inhalte sicher nachhaltiger, weil sie emotional bei den Teilnehmer:innen verankert werden.


Was nehme ich aus meiner Tätigkeit auch für mein Privatleben mit?

Definitiv mehr Gelassenheit in stressigen Situationen. Ausserdem gibt mir das Kursegeben auch ein gewisses Verantwortungsgefühl und das Gefühl, etwas Wichtiges in der Gesellschaft beizutragen mit den Inhalten, die ich vor allem den jungen Generationen beibringe. Und das gefällt mir sehr.


Die Arbeit als Instruktorin zeigt, wie wichtig neben Fachwissen auch Kommunikation, Empathie und Flexibilität sind. Mehr Informationen zu passenden Nothelferkursen findest du unter: www.nothelferambahnhof.ch.