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Warum Zeugen eines Notfalls einfrieren – und wie man dieses „Freeze“ überwindet

09.12.2025

Warum Menschen im Notfall einfrieren – und wie du das Freeze-Syndrom durchbrichst

Einleitung: Wenn der Körper plötzlich blockiert

Viele Menschen glauben, dass sie in einem Notfall automatisch helfen würden. Doch die Realität sieht anders aus: Zahlreiche Zeugen bleiben wie erstarrt stehen, reagieren nicht oder wissen später nicht einmal mehr, was genau passiert ist. Dieses Phänomen wird „Freeze“ genannt – ein natürlicher Schutzmechanismus unseres Gehirns.
Die gute Nachricht: Man kann lernen, diesen Zustand zu erkennen und zu überwinden.


Was ist das „Freeze“?

Der Freeze ist eine instinktive Stressreaktion, genauso wie „Fight“ und „Flight“. Wenn unser Gehirn eine Bedrohung wahrnimmt, schaltet es in den Überlebensmodus. Dabei übernimmt das limbische System die Kontrolle, während der logisch denkende Teil des Gehirns kurzzeitig „offline“ geht.

Typische Anzeichen des Freeze-Zustands:

  • komplette Bewegungsstarre
  • Tunnelblick oder Leere im Kopf
  • verlangsamte Wahrnehmung
  • Verlust der Entscheidungsfähigkeit
  • Gefühl, von aussen zuzuschauen

Viele Menschen schämen sich danach, obwohl dieser Zustand biologisch völlig normal ist.


Warum frieren Zeugen in einem Notfall ein?

1. Überforderung durch die plötzliche Situation

Notfälle sind selten. Wenn etwas Unerwartetes passiert – ein Unfall, ein Sturz, ein Kollaps – gerät das Gehirn in einen Schockzustand.
Der Körper wartet: „Ist es wirklich gefährlich?“

2. Fehlende Handlungssicherheit

Wer seit Jahren keinen Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, hat wenig abrufbare Muster.
Unsicherheit führt zu Blockade.

3. Soziale Hemmungen und Zuschauer-Effekt

Je mehr Menschen anwesend sind, desto eher erwartet jeder, dass jemand anderes handeln wird. Dieses psychologische Phänomen nennt sich Bystander-Effekt.

4. Angst, etwas falsch zu machen

Viele fürchten, Schaden anzurichten oder sich zu blamieren.
Doch: Nichts tun ist fast immer schlimmer als etwas tun.


Wie man das Freeze überwindet – praktische Strategien

1. Vorbereitung: Mentales Training für den Ernstfall

Studien zeigen: Schon die mentale Vorstellung eines Notfalls verbessert die Reaktionsfähigkeit.
Beispiel:
„Wenn jemand vor mir zusammenbricht, rufe ich 144, prüfe die Atmung und beginne mit der Herzmassage.“

2. Atmen und den Körper aktivieren

Wer in den Freeze rutscht, kann ihn mit einer kurzen Technik lösen:

  1. kräftig ausatmen
  2. zwei bewusste Atemzüge
  3. eine kleine Bewegung (Schritt nach vorne, Hände bewegen)

Diese Technik signalisiert dem Gehirn: „Ich bin handlungsfähig.“

3. Sich selbst einen klaren Auftrag geben

Professionelle Helfer nutzen Selbstansprache:
„Ich handle jetzt.“
Solche klaren inneren Befehle durchbrechen die mentale Blockade.

4. Verantwortung übernehmen – bewusst und sofort

„Ich kümmere mich.“
Mit diesem Satz durchbricht man automatisch den Zuschauer-Effekt.

5. Aufgaben laut verteilen

Konkrete Ansprache aktiviert auch Umstehende:

  • „Sie dort, bitte rufen Sie 144!“
  • „Bitte holen Sie einen Defibrillator!“

Auch das eigene Sprechen löst die Erstarrung.


Warum es wichtig ist, den Freeze zu verstehen

Wer weiss, dass das Einfrieren ein normaler Reflex ist, kann besser damit umgehen.
Dieses Verständnis reduziert Angst, stärkt das Selbstvertrauen und erhöht die Bereitschaft, im Ernstfall aktiv zu werden.


Fazit

Der Freeze ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein uralter Überlebensmechanismus.
Doch mit Wissen und einfachen Techniken lässt sich diese Blockade überwinden.

Je besser man vorbereitet ist, desto grösser die Chance, im Notfall nicht einzufrieren – sondern zu helfen.