09.12.2025
Viele Menschen glauben, dass sie in einem Notfall automatisch helfen würden. Doch die Realität sieht anders aus: Zahlreiche Zeugen bleiben wie erstarrt stehen, reagieren nicht oder wissen später nicht einmal mehr, was genau passiert ist. Dieses Phänomen wird „Freeze“ genannt – ein natürlicher Schutzmechanismus unseres Gehirns.
Die gute Nachricht: Man kann lernen, diesen Zustand zu erkennen und zu überwinden.
Der Freeze ist eine instinktive Stressreaktion, genauso wie „Fight“ und „Flight“. Wenn unser Gehirn eine Bedrohung wahrnimmt, schaltet es in den Überlebensmodus. Dabei übernimmt das limbische System die Kontrolle, während der logisch denkende Teil des Gehirns kurzzeitig „offline“ geht.
Typische Anzeichen des Freeze-Zustands:
Viele Menschen schämen sich danach, obwohl dieser Zustand biologisch völlig normal ist.
Notfälle sind selten. Wenn etwas Unerwartetes passiert – ein Unfall, ein Sturz, ein Kollaps – gerät das Gehirn in einen Schockzustand.
Der Körper wartet: „Ist es wirklich gefährlich?“
Wer seit Jahren keinen Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, hat wenig abrufbare Muster.
→ Unsicherheit führt zu Blockade.
Je mehr Menschen anwesend sind, desto eher erwartet jeder, dass jemand anderes handeln wird. Dieses psychologische Phänomen nennt sich Bystander-Effekt.
Viele fürchten, Schaden anzurichten oder sich zu blamieren.
Doch: Nichts tun ist fast immer schlimmer als etwas tun.
Studien zeigen: Schon die mentale Vorstellung eines Notfalls verbessert die Reaktionsfähigkeit.
Beispiel:
„Wenn jemand vor mir zusammenbricht, rufe ich 144, prüfe die Atmung und beginne mit der Herzmassage.“
Wer in den Freeze rutscht, kann ihn mit einer kurzen Technik lösen:
Diese Technik signalisiert dem Gehirn: „Ich bin handlungsfähig.“
Professionelle Helfer nutzen Selbstansprache:
„Ich handle jetzt.“
Solche klaren inneren Befehle durchbrechen die mentale Blockade.
„Ich kümmere mich.“
Mit diesem Satz durchbricht man automatisch den Zuschauer-Effekt.
Konkrete Ansprache aktiviert auch Umstehende:
Auch das eigene Sprechen löst die Erstarrung.
Wer weiss, dass das Einfrieren ein normaler Reflex ist, kann besser damit umgehen.
Dieses Verständnis reduziert Angst, stärkt das Selbstvertrauen und erhöht die Bereitschaft, im Ernstfall aktiv zu werden.
Der Freeze ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein uralter Überlebensmechanismus.
Doch mit Wissen und einfachen Techniken lässt sich diese Blockade überwinden.
Je besser man vorbereitet ist, desto grösser die Chance, im Notfall nicht einzufrieren – sondern zu helfen.