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Erwartungsmanagement: Was Ersthelfer nicht leisten können und nicht leisten müssen

07.12.2025

Erwartungsmanagement in der Ersten Hilfe: Was Ersthelfer nicht leisten müssen

Warum falsche Erwartungen Leben retten – oder verhindern können

Viele Menschen zögern im Notfall, weil sie glauben, nicht genug zu wissen oder zu wenig zu können. Doch genau diese Angst ist ein grosses Hindernis in der Ersten Hilfe. Die Wahrheit ist: Ersthelfer müssen keine Profis sein – und sie dürfen es auch gar nicht. Wer versteht, wo die eigenen Grenzen liegen, reagiert im Ernstfall mutiger, schneller und sicherer.


Was Ersthelfer wirklich leisten sollen – ein klarer Rahmen

Die wichtigste Aufgabe eines Ersthelfers ist es, den Notfall zu erkennen, Hilfe zu rufen und einfache lebensrettende Massnahmen einzuleiten.
Alles, was darüber hinausgeht, gehört ins Fachgebiet von Profis wie Sanität, Feuerwehr oder Polizei.

Zu den Kernaufgaben von Ersthelfern gehören:

  • Situation beurteilen
  • Gefahren minimieren (ohne sich selbst zu gefährden)
  • 144 alarmieren
  • Basis-Massnahmen durchführen (z. B. Herzmassage, stabile Seitenlage, Blutstillung)

Mehr braucht es nicht, um Leben zu retten – und mehr wird auch nicht erwartet.


Was Ersthelfer nicht leisten können – und nicht leisten müssen

1. Ersthelfer müssen keine Diagnosen stellen

Niemand erwartet, dass Laien Herzrhythmusstörungen erkennen, innere Verletzungen beurteilen oder medizinische Entscheidungen treffen.
Unwissenheit ist kein Problem – Untätigkeit schon.
Die Sanität klärt alles Weitere ab.


2. Ersthelfer müssen keine perfekten Massnahmen durchführen

Perfektion ist im Notfall kein Ziel.
Eine Herzmassage, die nicht perfekt tief oder nicht im perfekten Rhythmus ist, ist immer besser als gar keine.
Profis korrigieren, übernehmen und optimieren – Ersthelfer überbrücken wertvolle Minuten.


3. Ersthelfer müssen keine Verantwortung für den Ausgang übernehmen

Viele fürchten, „Schuld“ zu sein, wenn etwas schiefgeht. Diese Angst ist unbegründet:

  • Ersthelfer handeln nach bestem Wissen.
  • Sie können rechtlich nicht haftbar gemacht werden, wenn sie Hilfe leisten und niemanden absichtlich schädigen.
  • Die Verantwortung für Behandlung und Ergebnis liegt bei den Fachkräften.

4. Ersthelfer müssen keine gefährlichen Situationen betreten

Selbstschutz hat oberste Priorität.
Niemand soll sich in Gefahr bringen – weder bei Bränden noch im Strassenverkehr oder bei Gewalt.
Erst helfen, wenn die Umgebung sicher ist.


5. Ersthelfer müssen keine medizinischen Geräte bedienen – ausser einfachen Hilfsmitteln

Ein AED (Defibrillator) ist das einzige komplexere Gerät, das Laien einsetzen sollen – weil er selbsterklärend ist.
Alles andere (Infusionen, Medikamente, Sauerstoff) gehört ausschliesslich in professionelle Hände.


6. Ersthelfer müssen keine Emotionen perfekt managen

Es ist normal, nervös oder überfordert zu sein. Auch Profis spüren Stress – nur haben sie mehr Routine.
Ersthelfer dürfen:

  • zittern
  • unsicher sein
  • Fehler machen
  • Hilfe laut einfordern

Wichtig ist einzig, dass sie überhaupt handeln.


Warum dieses Erwartungsmanagement entscheidend ist

Wenn Menschen wissen, dass sie nicht alles können müssen, sinkt die Hemmschwelle enorm.
Ersthelfer werden aktiver, handeln selbstbewusster und rufen schneller Hilfe.
Studien zeigen:
👉 Schon wenige einfache Handlungen erhöhen die Überlebenschancen massiv.

Es braucht nicht viel – nur Mut, Klarheit und den Willen, etwas zu tun.


Wie du dich dennoch vorbereiten kannst

Auch wenn Ersthelfer keine Profis sein müssen, hilft es, die eigene Sicherheit zu stärken:

  • regelmässig Erste-Hilfe-Kurse auffrischen
  • Notfallnummern abspeichern
  • Abläufe (Herzmassage, stabile Seitenlage) mental durchgehen
  • im Alltag bewusst überlegen: „Was würde ich hier tun?“

Diese kleinen Schritte geben Sicherheit und reduzieren die Wahrscheinlichkeit einer Schockstarre.


Fazit

Ersthelfer retten Leben – nicht durch Perfektion, sondern durch Handeln.
Wer weiss, was er nicht können muss, reagiert im Notfall schneller und mutiger.
Es geht nicht darum, alles richtig zu machen – sondern überhaupt etwas zu machen.